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Die Religion des Funktionierens

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Man liest das ja seit Jahren: Apple ist eine Kirche, die ihre Jünger durch geschickte Manipulation und ihren Prediger Steve Jobs zu willenlosen Anhängern einer modernen Religion werden lässt. So oder ähnlich lästern die Medien oder die ungläubigen Nutzern anderer Computer- oder Telefon-Hersteller.

Ich gehöre zu den Menschen, die, zurückhaltend gesagt, den Apple-Produkten viel abgewinnen können. Es war ein langer Prozess, der so ungefähr begonnen hat, als ich die ersten Screenshots von Windows XP gesehen habe. Die damals völlig unverständlicherweise “Luna” getaufte Oberfläche (vermutlich von Lunatics entwickelt, daher der Name) sah so unglaublich debil aus, dass ich am selben Tag beschlossen haben, einen Mac zu kaufen. Dass es dann tatsächlich noch sieben Jahre gedauert hat, bis ich dieses Vorhaben umgesetzt habe, lag vor allem daran, dass sich in Windows XP noch ein vertrauter classic-Modus finden ließ und ich fauler Mensch nicht willig war, die Unmengen an Software, die ich sowieso nie benutzte, für den Mac neu zusammenzusuchen.

Kurz gesagt, ich fand Windows schon immer hässlich, habe mich beim Einrichten von hunderten von Rechnern über die Lügen, die beim Installieren verbreitet werden (“Mehr Spaß bei der Arbeit”) geärgert und war insgesamt ziemlich gelangweilt von Computern. In meinem letzten Windows-Jahr habe ich fast den ganzen Sommer am oder im Kiessee verbracht und den Rechner kaum benutzt. Das sagt viel aus.

Als der Wechsel dann kam, war ich vom ersten Tag an wieder Kind. Ich hatte mich wirklich gequält mit der Entscheidung zu wechseln und den schon beschlossenen Kauf mehrfach aufgeschoben. Doch mit einem Mal war alles anders. Ich erlebte ein Betriebssystem, das endlich die Dinge so organisierte, wie ich mir das schon immer gewünscht hatte. Ich hatte Spaß. Ich wollte endlich wieder Neues ausprobieren. Ich konnte mich wieder auf die Zukunft freuen. Das dass Gerät irgendwie schick aussah, war ein netter Nebeneffekt aber kein Kaufgrund. 

Ich habe in den drei Jahren seitdem mehr “Ahs” und “Ohs” erlebt, als in meinen fast 20 Jahren Computernutzung zuvor. 

Bei aller Begeisterung meinte ich, mit der Sache doch immer noch ganz nüchtern umzugehen. Natürlich setzte ich meinen Wechsel zu Apple konsequent um – alles andere wäre nicht meine Art gewesen. Ich war schnell beim iPhone, baute ein ganzes Büro mit Apple-Produkten auf und alles lief (und läuft) sehr schön zusammen, wenn auch nicht immer problemfrei, wie es mit Computertechnik trotz allem nun einmal so ist. Und doch redete ich am Ende von Magie (man verzeihe mir diesen strapazierten Begriff), die hier neu eingezogen war.

Bei näherer Betrachtung muss man jedoch – durchaus objektiv – feststellen, dass diese „Magie“ darauf zurückzuführen ist, das viele Dinge einfach funktionieren. Etwas was eigentlich immer schon die Idee von Computern gewesen ist: Eine bestimmte Aufgabe ohne seltsame Nebeneffekte oder gar völliges Versagen zu erledigen. Leider hatten sich die Entwickler zuvor oftmals in völlig dubiosen Denkweisen verloren, bestenfalls sparsame Weiterentwicklung betrieben und waren oft den Stimmungen unfähiger Marketingmenschen unterworfen. So entstanden Produkte, die viel zu häufig schlicht gar nichts von alledem taten, was sie versprachen, völlig willkürliches Verhalten an den Tag legten oder der Nutzer erst einmal locker 10 Jahre Übung brauchte, um halbwegs eloquent alle hinrissigen Wege durch verquere Menustrukturen zu finden und kaputte Windungen in verschachtelten Einstellungs-Dialogen zu entdecken. 

Auf einmal boten Computer Möglichkeiten. Selbst mein Bruder, der bisher jeden Rechner mit seinen linken Händen zerstört hatte, war auf seinem Mac in der Lage, schöne Videos zu schneiden. Diese Geräten geben den Menschen ihre Würde zurück, weil diese sich nun nicht mehr wie der letzte Idiot vorkommen mussten. Endlich wurde etwas eigentlich Selbstverständliches wirklich selbstverständlich.

 

Das dem so ist, wurde einer steigenden Anzahl am Menschen in den letzten Jahren klar. Insbesondere IT-affine Menschen, die gern von anderen, nicht IT-affinen Menschen befragt werden, wenn diese IT-Entscheidungen treffen, haben auf Apple-Rechner gewechselt und empfehlen diese weiter. Allein schon, um keinen Stress mehr mit diesen nicht IT-affinen Menschen zu bekommen, denn Apple-Rechner sind schlicht weniger supportintensiv.

 

An diesem Punkt wird es nun esoterisch und ein wenig düster. Ich muss dazu noch etwas ausholen: Der moderne Mensch hat in vielen Lebensbereichen an Halt verloren. Die Kirche hat sich als wenig nützlich im Alltagsleben erwiesen, das Funktionieren von Beziehungen und Familien ist in etwa so kompliziert wie professionelle Textverarbeitung und ein stabiles Berufsleben ist etwas, von dem die Großeltern erzählen. In den wichtigsten Lebensbereichen macht sich Unsicherheit bereit. Der Mensch sucht nach Sicherheiten, nach den Dingen, die versprechen, zuverlässig zu sein und obendrein vielleicht noch ein wenig Spaß zu machen. 

Computer sind vielfältig, Schaffen unglaublich viele Möglichkeiten und scheinen bei Apple tatsächlich zu funktionieren. Mit jedem neu angekündigten Produkt tut sich ein weiteres Stück heile Welt auf, das Stabilität verspricht und dieses Versprechen im Allgemeinen auch einlöst. Apple erschafft tatsächlich Objekte die ein bisschen davon zurück geben, was dereinst Beruf, Familie und Kirche waren: Es sind sind Objekte, die eine Erwartungshaltung aufbauen und einlösen. Objekte, die eine gewisse, regelmäßige Vorfreude auslösen. Der Umgang mit diesen Objekten macht entweder Spaß, strukturiert oder organisiert das Leben und prägt den Lebensstil.

Dazu kommt: Ein wichtiger Grund für diese hohe subjektive, gespendete Lebensqualität ist nicht einmal die große technische Qualität dieser Produkte (die unbestritten hoch ist). Vielmehr haben Jahre der Entbehrung in dieser Hinsicht dafür gesorgt, dass sich diese Produkte überhaupt so auffällig von der Konkurrenz absetzen. 

Computer nehmen eine unglaubliche wichtige Rolle ein – viel wichtiger, als die meisten vielleicht meinen. So verbringen wir doch tagtäglich Stunde um Stunde mit dem Rechner. Entweder im Beruf, privat oder sogar beides. Der Computer ist immer anwesend und dabei oft zwingend nötig. Der Frust bei der Bedienung hat sich bei vielen eingebrannt und war über fast 15 Jahre eine alltägliche Erfahrung. Und auf einmal gibt es da ein diametral entgegengesetztes Verhalten der Geräte, der Software und des allgemeinen Umgangs? Es klingt zu sehr nach Marketing, aber die Aussage „Warum habe ich das nicht schon viel früher gemacht“, die viele Wechsler mir gegenüber gebracht haben, zeigt deutlich, dass vor dem Wechsel eine große Skepsis geherrscht haben muss. Zu oft wurden die Versprechen nicht eingelöst. Doch hier änderte sich dies.

Der moderne Mensch hat wieder Vertrauen in etwas gewonnen. So lange dieses Versprechen immer wieder erfüllt wird, baut sich damit eine gewisse Konstante im Leben auf. Und diese Konstante kann man tatsächlich Religion nennen. Es ist jedoch keine Religion des Marketings und der Gehirnwäsche, sondern eine Religion, die sich über Qualität und vielmehr Abgrenzung vom bisherigen Markt definiert. 

Ich bin gespannt, wie lange wir brauchen werden, bis funktionierende und angenehme Technik etwas so alltägliches ist, dass wir deswegen keinen riesigen Hype mehr veranstalten müssen.  

Die Telekom war auch schon mal beliebter.

Die Telekom war auch schon mal beliebter.

In der VHS-Schreibwerkstatt

Ulf tut Mut gut.

Ulf murrt: Uhu, Puff…

Ulf tut kund: Pfund-Stuss.

Nun zu Sucuk.

Sucuk muss Mund und Schlund.

Hu Kurt Sucuk.

Zu gut!

Ulf: Du, Puff schnurz.

Kurt gurrt: Ulf, nur Mut!

Ulf spurt.

…musste der Moderne Nerd schreiben. War aber ganz witzig.

Zynische Anzeigetafel in Stuttgart.

Zynische Anzeigetafel in Stuttgart.

Was ist das, Schwimmen in… Trachten?

Was ist das, Schwimmen in… Trachten?

Moderner Nerd in Frankfurt.

Moderner Nerd in Frankfurt.

Ich fühle mich nicht so alt, wie ich bin.

In den letzten Tagen habe ich diesen Satz wieder öfter zu hören bekommen. Niemals jedoch habe ich jemanden sagen hören, er fühle sich genau so alt, wie er sei, oder gar, er fühle sich noch viel älter, als er eigentlich sei.

Was lässt Menschen annehmen, sie wüssten, wie man sich genau mit, sagen wir, 32 Jahren fühle? Oder überhaupt, wie alt sich andere Menschen fühlen? Der Maßstab kann doch per se nur das eigene Empfinden für das Alter sein, in Bezug gesetzt mit der eigenen Annahme, wie man sich mit 32 fühlen müsse (natürlich grundsätzlich viel älter).

Überhaupt, wie stellt sich dieses „Altersgefühl“ dar? Woran wird es gemessen? Ist es gleichbleibende oder abnehmende körperliche Kraft? Das noch vorhandene Interesse an Unternehmungen, die von Gleichaltrigen oder Älteren nicht mehr durchgeführt werden? Oder einfach nur die aktuelle Zufriedenheit mit dem Leben?

Es ist doch an sich eine vermessene Aussage, die unterstellt, dass die anderen Menschen (zumindest die Mehrheit) auf irgendeine Art anders und schneller gealtert sind und man sich selbst auf wiederum irgendeine andere Art jünger gehalten habe – vielleicht mit biologischem Essen und viel Sport?

Ich für meinen Teil fühle mich seit 2 Jahren wieder jünger werdend - aber auch nur, weil der befürchtete Verfall nach drei vollen Jahrzehnten, wie er allerorts berichtet wird, ganz und gar ausgeblieben ist.

Alles so rekursiv heute.

Alles so rekursiv heute.

Möge er mit einem gesunden Magen seinen verdienten Ruhestand verbringen. Und keine Webseiten mehr bauen.

Möge er mit einem gesunden Magen seinen verdienten Ruhestand verbringen. Und keine Webseiten mehr bauen.